Rosenkranzstationen: Unterschied zwischen den Versionen
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== Die Wiedererrichtung der Rosenkranzstationen am Langen Diek == | |||
von Hermann Terhalle (Quelle: Jahrbuch Kreis Borken 1983, S. 202-205) | '''von Hermann Terhalle (Quelle: Jahrbuch Kreis Borken 1983, S. 202-205)''' | ||
Einen großen Tag erlebte die Nachbarschaft Köckelwick-Crosewick vom Langen Diek bei Vreden am Sonntag dem 17 Juli 1983 als Dechant Johannknecht In Anwesenheit von über 800 Teilnehmern die von den Anliegern neu errichteten Rosenkranzstationen | Einen großen Tag erlebte die Nachbarschaft Köckelwick-Crosewick vom Langen Diek bei Vreden am Sonntag dem 17 Juli 1983 als Dechant Johannknecht In Anwesenheit von über 800 Teilnehmern die von den Anliegern neu errichteten Rosenkranzstationen einweihte. Viele Stunden aufopferungsvoller Arbeit der Nachbarn fanden in dieser Feierstunde ihren vorläufigen würdigen Abschluss. | ||
Die Idee zur Wiedererrichtung der verfallenen aus, dem Anfang des 20 Jahrhunderts stammenden Stationen war bei einem Nachbarschaftstreffen entstanden. Doch ohne die liebevolle Pflege, die über Jahrzehnte die Familie Lepping der letzten noch erhaltenen Station angedeihen ließ und ohne die Arbeit von Georg Overkamp der vor über 10 Jahren den alten, fast vergessenen Prozessionsweg vom Gestrüpp und wuchernden Pflanzen befreite wäre es wohl nicht so schnell zu dieser Aktion gekommen. Die Idee der Nachbarschaft stieß auf Gegenliebe bei den Pfarreien St. Georg Vreden und Kreuz Erhöhung Ellewick, sowie beim Heimatverein und der Stadt Vreden die alle den Anliegern ihre materielle Unterstützung zusicherten. | Die Idee zur Wiedererrichtung der verfallenen aus, dem Anfang des 20 Jahrhunderts stammenden Stationen war bei einem Nachbarschaftstreffen entstanden. Doch ohne die liebevolle Pflege, die über Jahrzehnte die Familie Lepping der letzten noch erhaltenen Station angedeihen ließ und ohne die Arbeit von Georg Overkamp der vor über 10 Jahren den alten, fast vergessenen Prozessionsweg vom Gestrüpp und wuchernden Pflanzen befreite wäre es wohl nicht so schnell zu dieser Aktion gekommen. Die Idee der Nachbarschaft stieß auf Gegenliebe bei den Pfarreien St. Georg Vreden und Kreuz Erhöhung Ellewick, sowie beim Heimatverein und der Stadt Vreden die alle den Anliegern ihre materielle Unterstützung zusicherten. | ||
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So konnte Mitte letzten Jahres mit den Bauarbeiten an den Stationshäuschen, die in Verblendmauerwerk ausgeführt wurden, begonnen werden. in der Töpfermeisterin Frau Miriam Cappel aus Stadtlohn fand man eine Künstlerin, die aus ihrer religiösen Einstellung heraus Mit einem seit vielen Jahrhunderten gebrauchten Werkstoff unsere Heimat zehn Bilder auf Steinzeugfliesen schuf, die durch Konzentration auf das Wesentliche und durch ihre tiefe Symbolik den Betrachter zum Nachdenken und zum Gebet anregen. Im Mai dieses Jahres Wurzeln die bei der Töpferei B. Erning Söhne im Stadtlohn gebrannten Bilder Vom Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranz in die Stationshäuschen eingesetzt. | So konnte Mitte letzten Jahres mit den Bauarbeiten an den Stationshäuschen, die in Verblendmauerwerk ausgeführt wurden, begonnen werden. in der Töpfermeisterin Frau Miriam Cappel aus Stadtlohn fand man eine Künstlerin, die aus ihrer religiösen Einstellung heraus Mit einem seit vielen Jahrhunderten gebrauchten Werkstoff unsere Heimat zehn Bilder auf Steinzeugfliesen schuf, die durch Konzentration auf das Wesentliche und durch ihre tiefe Symbolik den Betrachter zum Nachdenken und zum Gebet anregen. Im Mai dieses Jahres Wurzeln die bei der Töpferei B. Erning Söhne im Stadtlohn gebrannten Bilder Vom Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranz in die Stationshäuschen eingesetzt. | ||
Während die letzte Arbeit an den Stationen erfolgte und der alte Prozessionsweg wieder hergerichtet wurde erreichte den Vredener Heimatverein eine Mitteilung des Bistumsarchivs Münster, die darauf hinwies, daß diese Stationen und der damit verbundene Prozessionsweg eine mindestens dreihundertjährige Geschichte besitzen und somit auch die alten Rosenkranzbilder bereits ihre Vorgänger hatten. | |||
Diese vergessene Tradition führt uns in die Zeit der Gegenreformation zurück In der Gestalt Christoph Bernhards von Galen, eines politisch recht umstrittenen Landesherrn, erhielt die Diözese in Münster damals einen Bischof, der aus tiefster religiöser Überzeugung mit der Reform der Kirche ernst machte. Eine besondere Rolle spielte dabei die Patres der Gesellschaft Jesu, welche durch Unterweisung und Predigt den Glauben Im Volke neu beleben sollten. Daß diese Vorstellungen auch ins Vredener Land kamen, verdanken wir dem Vredener Stiftsherren und Gründer der Ellewicker Kirche, dem | Diese vergessene Tradition führt uns in die Zeit der Gegenreformation zurück In der Gestalt Christoph Bernhards von Galen, eines politisch recht umstrittenen Landesherrn, erhielt die Diözese in Münster damals einen Bischof, der aus tiefster religiöser Überzeugung mit der Reform der Kirche ernst machte. Eine besondere Rolle spielte dabei die Patres der Gesellschaft Jesu, welche durch Unterweisung und Predigt den Glauben Im Volke neu beleben sollten. Daß diese Vorstellungen auch ins Vredener Land kamen, verdanken wir dem Vredener Stiftsherren und Gründer der Ellewicker Kirche, dem Kanonikus Johann Bernhard Abbing (1639 - 1714), einem tief religiösen und frommen Mann, der besonders eine große Verehrung für die Schmerzhafte Muttergottes empfand. | ||
Als vermögender Mann setzte Abbing beachtliche Mittel im Sinne seiner religiösen Überzeugung ein. So legte er 1678 den Grundstein für die Ellewicker Heilig-Kreuz-Kapelle und stiftete 1697 ein zweite Kapelle, nämlich Marienbrunn in der Vredener Bauernschaft Kleinemast. Damit beide Kapellen auf Dauer auch von einem Geistlichen betreut werden konnte, stiftete er soviel an Land und Kapital, daß deren Erträge den Unterhalt eines Vikars sicherstellten. | |||
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In seinem lange Leben hat Abbing kostbare Kunstwerke anfertigen lassen, um seine beiden Kapellen würdig auszustatten. So beauftragte er mehrmals den damals wohl bedeutendsten Bildhauer Westfalens, Johann Mauritz Gröniger, mit der Herstellung von Plastiken. Für Marienbrunn fertigte Gröniger eine Pieta aus Stein an, die sich dort heute noch befindet. Für Ellewick gab Abbing einen Kalvarienberg, d.h. einen Kruzifixus mit den darunter stehenden Plastiken von Maria und Johannes, in Auftrag. Leider ist der Kalvarienberg Grönigers heute verschollen. | |||
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Auch die Anlag der Rosenkranzstationen geht auf diesen bedeutenden Stiftskanoniker zurück. Die Anregung hierzu erhielt er während seines Studiums in Münster. Dort hielt im Jahre 1663 der Jesuitenpater Johannes Blankenfort, ein Lehrer Abbings, als Domprediger eine Predigtreihe über den Prozessionsweg von Münster nach Telgte, der auf Blankenforts Initiative und mit der Unterstützung des Fürstbischofs entstanden war. Fünf Rosenkranzstationen befinden sich heute noch auf dem Weg, und zwar mit den Bildern des Schmerzhaften Rosenkranzes in Richtung Telgte und denen des Glorreichen in Richtung Münster. Blankenfort verfaßte über diesen Wallfahrtsweg ein Andachtsbüchlein unter dem Titel "Stationes Dolorosae et Gloriosae Jesu et Mariae", das in mehrfachen Auflagen erschien und u.a. über den Pater Ericus Claessens in Coesfeld, mit dem Abbing in engem Kontakt stand, auch im Westmünsterland bekannt wurde. Abbing selbst hat dieses Buch besessen und auch verbreitet, wie sein Testament nachweist. | |||
So ist nicht daran zu zweifeln, daß Abbing bei der Errichtung der Rosenkranzstationen um das Jahr 1689 den Pilgerweg von Münster nach Telgte im Vredener Land nachahmen wollte. Ziel der Wallfahrt bzw. der Prozession war hier das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter, das sich in einem Altar der Stiftskirche befand, wie das hier abgebildete Andachtsbild aus dem Jahr 1748 zeigt. Die Pieta befindet sich heute in der Pfarrkirche St. Georg. Sicherlich war es Abbings Absicht, die schon ältere Wallfahrt zu diesem Gnadenbild neu zu beleben. So wie von Münster nach Telgte konnte der Pilger von Ellewick nach Vreden die Bilder des Schmerzhaften Rosenkranzes betrachten, die ihm halfen, über das Leidenswerk Christi nachzudenken. Kehrte er vom Gnadenbild zurück, so sah er die Bilder des Glorreichen Rosenkranzes, die ihm Hoffnung der Auferstehung verkündeten. Dabei war die Distanz zwischen der ersten und letzten Station so angelegt, daß sie der Entfernung vom Palast Pilatus in Jerusalem bis zum Kalvarienberg entsprach. | |||
Im Lauf der 300 Jahren wurde der Anlaß zur Gründung dieser Stationen und ihr Stifter vergessen, die Idee jedoch blieb lebendig. Mehrfach sind im Laufe dieser Zeit die Stationen durch Witterungseinflüsse zugrundegegangen, doch sind sie immer wieder aufs neue errichtet worden. So bleibt es letztlich faszinierend, welche Wirkung ein Mensch mit seiner Stiftung vor 300 Jahren ausgelöst hat, daß auch in unserer glaubensschwachen Zeit Menschen von dieser Idee, ohne die 300jährige Geschichte dieser Stationen gekannt zu haben, bewegt wurden, mit der Neuerrichtung wieder ein Zeichen des Glaubens und der Gottesverehrung zu setzen." | |||
== 300 Jahre Rosenkranzstationen zwischen Ellewick und Vreden == | |||
'''von Albert Claushues (Quelle: Jahrbuch Kreis Borken 1989, S. 114-115)''' | |||
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"1989 feiert Vreden nicht nur die erste urkundliche Erwähnung von 1150 Jahren, sondern hatte auch Grund, ein weiteres Jubiläum zu begehen. Die Nachbarschaften "Ellewick/Crosewick, Köckelwick und Oldenkotter Straße" gedachten mit einem Festtag am 16. Juli 1989 der Errichtung des Rosenkranzweges von Ellewick nach Vreden durch den Stiftskanonikus Johann Bernhard Abbing vor 300 Jahren. Im Laufe der Jahrhunderte waren die einzelnen Stationen verfallen bis auf eine, die am Hofe Lepping steht. Die Nachbarschaften haben vor einigen Jahren die Stationen neu errichtet, und als krönenden Abschluß konnte die im Marianischen Jahr 1987/88 erbaute Rosenkranzkapelle eingeweiht werden. | "1989 feiert Vreden nicht nur die erste urkundliche Erwähnung von 1150 Jahren, sondern hatte auch Grund, ein weiteres Jubiläum zu begehen. Die Nachbarschaften "Ellewick/Crosewick, Köckelwick und Oldenkotter Straße" gedachten mit einem Festtag am 16. Juli 1989 der Errichtung des Rosenkranzweges von Ellewick nach Vreden durch den Stiftskanonikus Johann Bernhard Abbing vor 300 Jahren. Im Laufe der Jahrhunderte waren die einzelnen Stationen verfallen bis auf eine, die am Hofe Lepping steht. Die Nachbarschaften haben vor einigen Jahren die Stationen neu errichtet, und als krönenden Abschluß konnte die im Marianischen Jahr 1987/88 erbaute Rosenkranzkapelle eingeweiht werden. | ||
An der Gedenkfeier nahmen neben den zahlreich erschienenen Gläubigen mehrere Ehrengäste teil, darunter Antoni Soltysik, Pfarrer der St. Nikolaus Gemeinde in Krakau, sowie aus Vreden gebürtige Prälat Wilhelm Wissing, Vredens Bürgermeister Bernhard Becking und der Heimatvereins-Vorsitzende Wilhelm Elling würdigten das ehrenamtliche Engagement der Nachbarschaften und betonten, daß der hier gezeigte Einsatz Vorbild für weitere Vorhaben sein könnte. | An der Gedenkfeier nahmen neben den zahlreich erschienenen Gläubigen mehrere Ehrengäste teil, darunter Antoni Soltysik, Pfarrer der St. Nikolaus Gemeinde in Krakau, sowie aus Vreden gebürtige Prälat Wilhelm Wissing, Vredens Bürgermeister Bernhard Becking und der Heimatvereins-Vorsitzende Wilhelm Elling würdigten das ehrenamtliche Engagement der Nachbarschaften und betonten, daß der hier gezeigte Einsatz Vorbild für weitere Vorhaben sein könnte. | ||
Bei der Feier am Kreuz wurde eine Fahne eingeweiht, | Bei der Feier am Kreuz wurde eine Fahne eingeweiht, die an dieses Jubiläum erinnern soll. Sie war von den Nachbarn gestiftet worden. Der Ellewicker Kirchenchor und der Musikzug der freiwilligen Feuerwehr Vreden wirkten bei der Gestaltung der Andachtsstunde mit. Der 'Rosenkranzweg' ist ein Glaubensbezeugnis vergangener Jahrhunderte und die Neuanlage ein Glaubenszeugnis unserer Tage." | ||
== Literaturhinweise zu unserer Kirche Heilig Kreuz und den Rosenkranzstationen == | |||
* Claushues, Albert: 300 Jahre Rosenkranzstationen zwischen Ellewick und Vreden, in: Unsere Heimat. Jahrbuch des Kreises Borken 1989, S. 114-115 | |||
* Roelofs. Adriaan: Die Gründung der Vikarie an den Kapellen in Ellewick und Kleinemast durch Johann Bernhard Abbing, in: Hermann Terhalle (Red.): Zur Geschichte von Stadt und Stift Vreden im 17. und 18. Jahrhundert, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 7, Vreden 1977, S. 95-126 | |||
* Terhalle, Hermann: Die Wiedererrichtung der Rosenkranzstationen am Langen Diek bei Vreden, in: Unsere Heimat. Jahrbuch des Kreises Borken 1983, S. 202-205 | |||
* Terhalle, Hermann: Die Geschichte der Vredener Bauerschaften Ellewick und Crosewick, in: Schützenverein Ellewick-Crosewick e.V./Kirchengemeinde Heilig-Kreuz-Erhöhung Ellewick (Hrsg.): Ellewick-Crosewick. Zwei Bauerschaften und ein Dorf, Vreden 2003, S. 13-131 | |||
* Terhalle, Hermann: Zeichen des Glaubens im Vredener Land. Bildstöcke, Heiligenhäuschen, Mariengrotten, Weg- und Hofkreuze, Statuen und Ehrenmale, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 72, Vreden 2006, S. 138-155 (Zeichen des Glaubens am Langen Diek in Köckelwick und Crosewick) | |||
* Witt, Bernard: Bezahle, was du schuldig bist. Ein Rechnungsbuch des Stiftsherrn Johann Bernard Abbing († 1714) als Quelle zur Vredener Orts- und Sozialgeschichte, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 17, Vreden 1980 | |||
Aktuelle Version vom 10. Oktober 2026, 18:35 Uhr
Die Wiedererrichtung der Rosenkranzstationen am Langen Diek
von Hermann Terhalle (Quelle: Jahrbuch Kreis Borken 1983, S. 202-205)
Einen großen Tag erlebte die Nachbarschaft Köckelwick-Crosewick vom Langen Diek bei Vreden am Sonntag dem 17 Juli 1983 als Dechant Johannknecht In Anwesenheit von über 800 Teilnehmern die von den Anliegern neu errichteten Rosenkranzstationen einweihte. Viele Stunden aufopferungsvoller Arbeit der Nachbarn fanden in dieser Feierstunde ihren vorläufigen würdigen Abschluss.
Die Idee zur Wiedererrichtung der verfallenen aus, dem Anfang des 20 Jahrhunderts stammenden Stationen war bei einem Nachbarschaftstreffen entstanden. Doch ohne die liebevolle Pflege, die über Jahrzehnte die Familie Lepping der letzten noch erhaltenen Station angedeihen ließ und ohne die Arbeit von Georg Overkamp der vor über 10 Jahren den alten, fast vergessenen Prozessionsweg vom Gestrüpp und wuchernden Pflanzen befreite wäre es wohl nicht so schnell zu dieser Aktion gekommen. Die Idee der Nachbarschaft stieß auf Gegenliebe bei den Pfarreien St. Georg Vreden und Kreuz Erhöhung Ellewick, sowie beim Heimatverein und der Stadt Vreden die alle den Anliegern ihre materielle Unterstützung zusicherten.
So konnte Mitte letzten Jahres mit den Bauarbeiten an den Stationshäuschen, die in Verblendmauerwerk ausgeführt wurden, begonnen werden. in der Töpfermeisterin Frau Miriam Cappel aus Stadtlohn fand man eine Künstlerin, die aus ihrer religiösen Einstellung heraus Mit einem seit vielen Jahrhunderten gebrauchten Werkstoff unsere Heimat zehn Bilder auf Steinzeugfliesen schuf, die durch Konzentration auf das Wesentliche und durch ihre tiefe Symbolik den Betrachter zum Nachdenken und zum Gebet anregen. Im Mai dieses Jahres Wurzeln die bei der Töpferei B. Erning Söhne im Stadtlohn gebrannten Bilder Vom Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranz in die Stationshäuschen eingesetzt.
Während die letzte Arbeit an den Stationen erfolgte und der alte Prozessionsweg wieder hergerichtet wurde erreichte den Vredener Heimatverein eine Mitteilung des Bistumsarchivs Münster, die darauf hinwies, daß diese Stationen und der damit verbundene Prozessionsweg eine mindestens dreihundertjährige Geschichte besitzen und somit auch die alten Rosenkranzbilder bereits ihre Vorgänger hatten.
Diese vergessene Tradition führt uns in die Zeit der Gegenreformation zurück In der Gestalt Christoph Bernhards von Galen, eines politisch recht umstrittenen Landesherrn, erhielt die Diözese in Münster damals einen Bischof, der aus tiefster religiöser Überzeugung mit der Reform der Kirche ernst machte. Eine besondere Rolle spielte dabei die Patres der Gesellschaft Jesu, welche durch Unterweisung und Predigt den Glauben Im Volke neu beleben sollten. Daß diese Vorstellungen auch ins Vredener Land kamen, verdanken wir dem Vredener Stiftsherren und Gründer der Ellewicker Kirche, dem Kanonikus Johann Bernhard Abbing (1639 - 1714), einem tief religiösen und frommen Mann, der besonders eine große Verehrung für die Schmerzhafte Muttergottes empfand.
Als vermögender Mann setzte Abbing beachtliche Mittel im Sinne seiner religiösen Überzeugung ein. So legte er 1678 den Grundstein für die Ellewicker Heilig-Kreuz-Kapelle und stiftete 1697 ein zweite Kapelle, nämlich Marienbrunn in der Vredener Bauernschaft Kleinemast. Damit beide Kapellen auf Dauer auch von einem Geistlichen betreut werden konnte, stiftete er soviel an Land und Kapital, daß deren Erträge den Unterhalt eines Vikars sicherstellten.
In seinem lange Leben hat Abbing kostbare Kunstwerke anfertigen lassen, um seine beiden Kapellen würdig auszustatten. So beauftragte er mehrmals den damals wohl bedeutendsten Bildhauer Westfalens, Johann Mauritz Gröniger, mit der Herstellung von Plastiken. Für Marienbrunn fertigte Gröniger eine Pieta aus Stein an, die sich dort heute noch befindet. Für Ellewick gab Abbing einen Kalvarienberg, d.h. einen Kruzifixus mit den darunter stehenden Plastiken von Maria und Johannes, in Auftrag. Leider ist der Kalvarienberg Grönigers heute verschollen.
Auch die Anlag der Rosenkranzstationen geht auf diesen bedeutenden Stiftskanoniker zurück. Die Anregung hierzu erhielt er während seines Studiums in Münster. Dort hielt im Jahre 1663 der Jesuitenpater Johannes Blankenfort, ein Lehrer Abbings, als Domprediger eine Predigtreihe über den Prozessionsweg von Münster nach Telgte, der auf Blankenforts Initiative und mit der Unterstützung des Fürstbischofs entstanden war. Fünf Rosenkranzstationen befinden sich heute noch auf dem Weg, und zwar mit den Bildern des Schmerzhaften Rosenkranzes in Richtung Telgte und denen des Glorreichen in Richtung Münster. Blankenfort verfaßte über diesen Wallfahrtsweg ein Andachtsbüchlein unter dem Titel "Stationes Dolorosae et Gloriosae Jesu et Mariae", das in mehrfachen Auflagen erschien und u.a. über den Pater Ericus Claessens in Coesfeld, mit dem Abbing in engem Kontakt stand, auch im Westmünsterland bekannt wurde. Abbing selbst hat dieses Buch besessen und auch verbreitet, wie sein Testament nachweist.
So ist nicht daran zu zweifeln, daß Abbing bei der Errichtung der Rosenkranzstationen um das Jahr 1689 den Pilgerweg von Münster nach Telgte im Vredener Land nachahmen wollte. Ziel der Wallfahrt bzw. der Prozession war hier das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter, das sich in einem Altar der Stiftskirche befand, wie das hier abgebildete Andachtsbild aus dem Jahr 1748 zeigt. Die Pieta befindet sich heute in der Pfarrkirche St. Georg. Sicherlich war es Abbings Absicht, die schon ältere Wallfahrt zu diesem Gnadenbild neu zu beleben. So wie von Münster nach Telgte konnte der Pilger von Ellewick nach Vreden die Bilder des Schmerzhaften Rosenkranzes betrachten, die ihm halfen, über das Leidenswerk Christi nachzudenken. Kehrte er vom Gnadenbild zurück, so sah er die Bilder des Glorreichen Rosenkranzes, die ihm Hoffnung der Auferstehung verkündeten. Dabei war die Distanz zwischen der ersten und letzten Station so angelegt, daß sie der Entfernung vom Palast Pilatus in Jerusalem bis zum Kalvarienberg entsprach.
Im Lauf der 300 Jahren wurde der Anlaß zur Gründung dieser Stationen und ihr Stifter vergessen, die Idee jedoch blieb lebendig. Mehrfach sind im Laufe dieser Zeit die Stationen durch Witterungseinflüsse zugrundegegangen, doch sind sie immer wieder aufs neue errichtet worden. So bleibt es letztlich faszinierend, welche Wirkung ein Mensch mit seiner Stiftung vor 300 Jahren ausgelöst hat, daß auch in unserer glaubensschwachen Zeit Menschen von dieser Idee, ohne die 300jährige Geschichte dieser Stationen gekannt zu haben, bewegt wurden, mit der Neuerrichtung wieder ein Zeichen des Glaubens und der Gottesverehrung zu setzen."
300 Jahre Rosenkranzstationen zwischen Ellewick und Vreden
von Albert Claushues (Quelle: Jahrbuch Kreis Borken 1989, S. 114-115)
"1989 feiert Vreden nicht nur die erste urkundliche Erwähnung von 1150 Jahren, sondern hatte auch Grund, ein weiteres Jubiläum zu begehen. Die Nachbarschaften "Ellewick/Crosewick, Köckelwick und Oldenkotter Straße" gedachten mit einem Festtag am 16. Juli 1989 der Errichtung des Rosenkranzweges von Ellewick nach Vreden durch den Stiftskanonikus Johann Bernhard Abbing vor 300 Jahren. Im Laufe der Jahrhunderte waren die einzelnen Stationen verfallen bis auf eine, die am Hofe Lepping steht. Die Nachbarschaften haben vor einigen Jahren die Stationen neu errichtet, und als krönenden Abschluß konnte die im Marianischen Jahr 1987/88 erbaute Rosenkranzkapelle eingeweiht werden.
An der Gedenkfeier nahmen neben den zahlreich erschienenen Gläubigen mehrere Ehrengäste teil, darunter Antoni Soltysik, Pfarrer der St. Nikolaus Gemeinde in Krakau, sowie aus Vreden gebürtige Prälat Wilhelm Wissing, Vredens Bürgermeister Bernhard Becking und der Heimatvereins-Vorsitzende Wilhelm Elling würdigten das ehrenamtliche Engagement der Nachbarschaften und betonten, daß der hier gezeigte Einsatz Vorbild für weitere Vorhaben sein könnte.
Bei der Feier am Kreuz wurde eine Fahne eingeweiht, die an dieses Jubiläum erinnern soll. Sie war von den Nachbarn gestiftet worden. Der Ellewicker Kirchenchor und der Musikzug der freiwilligen Feuerwehr Vreden wirkten bei der Gestaltung der Andachtsstunde mit. Der 'Rosenkranzweg' ist ein Glaubensbezeugnis vergangener Jahrhunderte und die Neuanlage ein Glaubenszeugnis unserer Tage."
Literaturhinweise zu unserer Kirche Heilig Kreuz und den Rosenkranzstationen
- Claushues, Albert: 300 Jahre Rosenkranzstationen zwischen Ellewick und Vreden, in: Unsere Heimat. Jahrbuch des Kreises Borken 1989, S. 114-115
- Roelofs. Adriaan: Die Gründung der Vikarie an den Kapellen in Ellewick und Kleinemast durch Johann Bernhard Abbing, in: Hermann Terhalle (Red.): Zur Geschichte von Stadt und Stift Vreden im 17. und 18. Jahrhundert, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 7, Vreden 1977, S. 95-126
- Terhalle, Hermann: Die Wiedererrichtung der Rosenkranzstationen am Langen Diek bei Vreden, in: Unsere Heimat. Jahrbuch des Kreises Borken 1983, S. 202-205
- Terhalle, Hermann: Die Geschichte der Vredener Bauerschaften Ellewick und Crosewick, in: Schützenverein Ellewick-Crosewick e.V./Kirchengemeinde Heilig-Kreuz-Erhöhung Ellewick (Hrsg.): Ellewick-Crosewick. Zwei Bauerschaften und ein Dorf, Vreden 2003, S. 13-131
- Terhalle, Hermann: Zeichen des Glaubens im Vredener Land. Bildstöcke, Heiligenhäuschen, Mariengrotten, Weg- und Hofkreuze, Statuen und Ehrenmale, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 72, Vreden 2006, S. 138-155 (Zeichen des Glaubens am Langen Diek in Köckelwick und Crosewick)
- Witt, Bernard: Bezahle, was du schuldig bist. Ein Rechnungsbuch des Stiftsherrn Johann Bernard Abbing († 1714) als Quelle zur Vredener Orts- und Sozialgeschichte, Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde Bd. 17, Vreden 1980